Juli 2012: Schwammhaft (Sisyra jutlandica)

Wiederfund des Schwammhaftes Sisyra jutlandica Esben-Petersen, 1915 in Deutschland (Insecta, Neuroptera, Sisyridae)!

Die zottigen Larven der bemerkenswerten Neuropteren-Gattung Sisyra parasitieren an Süßwasserschwämmen (Spongillidae) und Moostierchen in stehenden und langsam fließenden Gewässern. Aus Deutschland sind mit Sisyra nigra, S. terminalis, S. dalii, S. jutlandica und S. bureschi fünf Arten der Familie Sisyridae gemeldet (Saure 2003, Weissmair 2010).

Im Rahmen eines Makrozoobenthos-Monitorings zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) wurden von Dr. Reinhard Müller (Planungsbüro Hydrobiologie, Berlin) in Brandenburg die Fließgewässer Pölzer Fließ und Letschiner Hauptgraben untersucht. Dabei konnten im April 2011 auch sieben Larven der seltenen Schwammhafte Sisyra jutlandica Esben-Petersen, 1915 gefangen werden, von denen ein Exemplar dankenswerterweise auch dem Projekt "Barcoding Fauna Bavarica" zur Verfügung gestellt wurde.

Von S. jutlandica existierte bisher für Deutschland nur eine alte Meldung eines Lichtfangs einer Imago im relativ innerstädtisch gelegenen Hamburg-Bahrenfeld. Vorkommen der Art finden sich ferner in den Niederlanden, Belgien, Österreich (nur Nachweise vom Neusiedlersee), Dänemark, Schweden, Russland, Finnland und Ungarn sowie in Asien. Die Imagines der Art erscheinen etwa von Mai bis in den August. Sisyra jutlandica ist die einzige mitteleuropäische Art der Gattung, die neben Ufergehölzen auch ausgedehnte Schilfbestände besiedelt (Weissmair 1999). Die Determination der mitteleuropäischen Sisyra-Larven erfolgt über Merkmale an den Antennen, an den Tracheenkiemen und besonders anhand der Ausbildungen der dorsalen Sklerite am Thorax sowie am Abdomen und deren Beborstungen (siehe Bestimmungsschlüssel in Weissmair 1999, Hölzel & al. 2002). Die hier gemachten Angaben sind weitgehend dem gerade erschienenen Artikel von Müller & Weissmair (2012) entnommen.

Mit Hilfe der nun vorliegenden molekularen Daten lassen sich bereits ein Drittel der Neuropteren Deutschlands, darunter auch drei der fünf Sisyra-Arten, mit Hilfe von DNA Sequenzdaten eindeutig zuordnen.

Abbildung: Larve von Sisyra jutlandica (Foto: Michael Balke). Cuticula durch Austrocknung nach Einwirkung von Ethanol geschrumpft.

 

Literatur:

Hölzel, H., W. Weissmair & W. Speidel (2002): Insecta: Megaloptera, Neuroptera, Lepidoptera.- Süßwasserfauna von Mitteleuropa 15-17, 190 pp. (Spektrum Akademischer Verlag) Heidelberg.

Müller, R. & Weissmair, W. (2012): Wiederfund von Sisyra jutlandica in Deutschland und Erstnachweis von Sisyra dalii in Brandenburg (Insecta, Neuroptera, Sisyridae).- Lauterbornia 74: 63-72 Dinkelscherben.

Saure, C. (2003): Verzeichnis der Netzflügler (Neuroptera) Deutschlands.- In: Klausnitzer, B. (ed.): Entomofauna Germanica 6: 282-291, Dresden.

Weissmair, W. (1999): Präimaginale Stadien, Biologie und Ethologie der europäischen Sisyridae (Neuropterida: Neuroptera).- Stapfia 60/Kataloge der Oberösterreichischen Landesmuseen. Neue Folge 138: 101-128, Linz.

Weissmair, W. (2010): Sisyra bureschi und S. dalii (Neuroptera, Sisyridae) neu in Südwest-Deutschland und weitere Beiträge zur Faunistik und Ökologie.- Entomologische Nachrichten und Berichte 54: 207-212, Dresden.