Februar 2012: Asiatischer Moschusbock (Aromia bungii)

Ein bayerischer Neubürger: Der Asiatische Moschusbock Aromia bungii (Coleoptera, Cerambycidae) – Neumeldung für Deutschland!

An einem "Kriecherl-Baum" (Prunus domestica spp. insititia) in einer Gartensiedlung bei Kolbermoor (Südbayern, Alpenvorland) konnte um den 10. Juli 2011 als Exot der Bockkäfer Aromia bungii (Faldermann, 1835) beobachtet werden, wobei ein deutliches Schadbild mit Stammlöchern auf mehrere Individuen hindeutet. Bei dem stattlichen Käfer, der bis zu 4 cm groß wird, handelt es sich um einen Erstfund für Deutschland. Das Belegexemplar befindet sich in der Zoologischen Staatssammlung in München. Neben dem abgebildeten Männchen konnte von den Gartenbesitzern auch ein Weibchen beobachtet werden ("kürzere Fühler"), das jedoch davongeflogen ist.

Dieser Bockkäfer stammt aus den gemäßigten Zonen der Mongolei und Nordchina, sowie Nord- und Südkorea und Vietnam. Welchen Weg dieser Neuankömmling genommen haben könnte, ist ungewiss. Inwieweit eine Einschleppung erfolgte, kann nur vermutet werden. Zumindest muss diese vor 2-3 Jahren erfolgt sein, da Aromia bungii seine vollständige Entwicklung in dem besagten Fruchtbaum vollzogen haben muss. Wenige, vom letzten Larvenstadium ausgefressene und vorbereitete Schlupflöcher der Imago waren am Stamm vor allem im Bereich der unteren abzweigenden Äste zu finden. Diese waren auch durch frisches ausgeworfenes Fraßmehl kenntlich. Die Eiablage durch ein befruchtetes Weibchen muss demnach 2008 oder 2009 erfolgt sein. 

Der Transportweg könnte einen ähnlichen Verlauf genommen haben, wie der des ebenfalls aus Nordchina und Japan stammenden Citrusbockkäfers Anoplophora chinensis (Forster, 1771), der offensichtlich durch Importe des Fächerahorns nach Mitteleuropa gekommen ist. Oder auch der des Asiatischen Laubholzbockkäfers Anoplophora glabripennis (Motschulsky, 1853), der allerdings sehr wahrscheinlich im Holz von Transportkisten nach Europa gelangte. Im Jahre 2008 tauchte Aromia bungii erstmals in den USA (Port of Seattle) und in England (Bristol) auf, wobei er vermutlich im Holz von Transportkisten mit Gütern aus China gelebt hat. Zahlreiche Baumarten können als Wirte dieses Käfers dienen, wobei Prunus-Arten besonders hervorgehoben werden. Aber auch Olivenbäume (Olea europaea), Bambus (Bambus textilis), Chinesische Flügelnuß (Pterocarpa stenoptera), Granatapfel (Punica granatum) und Persimmon (Diospyros virginiana) kommen als Wirtspflanzen in Frage. Auf Grund der Schadwirkung wurde in den USA bereits eine Warnung vor diesem Bockkäfer herausgegeben und auch der potentielle Transportweg nach Europa aufgezeigt. Hierbei wird bereits ein Szenario der Ausbreitung entwickelt, dem die Verbreitung der potentiellen Wirtsbäume sowie die klimatischen Bedingungen in Europa zu Grunde gelegt werden.

Die Zoologische Staatssammlung bittet um Hinweise, zu weiteren Beobachtungen dieses auffälligen Käfers. Aromia bungii ist deutlich durch die lackglänzenden schwarzen Flügeldecken von dem kleineren und schlankeren Aromia moschata thoracica Fischer, 1824, der ebenfalls ein rotes Halsschild besitzt, zu unterscheiden. Dieser stammt aus Südrussland und dem Kaukasus. Aromia bungii kann statt des roten Halsschildes auch ganz schwarz sein.

Aus dem uns vorliegenden Männchen wurde Flugmuskulatur entnommen und im Rahmen des Barcoding Fauna Bavarica Projektes sequenziert. Mit Hilfe dieser Daten wird es problemlos möglich sein, zum Beispiel verdächtige Larven zu bestimmen und herauszufinden, ob sie zu Aromia bungii gehören.

 

Prof. Dr. Ernst-Gerhard Burmeister, Dr. Lars Hendrich & Dr. Michael Balke

Literatur:

Burmeister, E.G., Hendrich, L. & M. Balke (2012): Der Asiatische Moschusbock Aromia bungii (FALDERMANN, 1835) – Erstfund für Deutschland (Coleoptera: Cermabycidae). Nachrichtenblatt der bayerischen Entomologen 61 (1/2): 29-32.