November 2010: Doppelfüßer (Atractosoma meridionale)

Unter den Doppelfüßern (Diplpoda), auch als Tausendfüßer im engeren Sinn bezeichnet, besitzen die Samenfüßer (Chordeumatida) als einzige keine Wehrdrüsen. Daher sind sie an besonders kühle Biotope gebunden.

Sie besiedeln somit Orte wie feuchte Waldschluchten, Blockschutthalden, Hochgebirgsregionen oder Höhlen, wo sie gegenüber ihren Feinden einen Wettbewerbsvorteil aufweisen, weil sie sich bei sehr niedrigen Temperaturen noch schnell bewegen können. Viele Arten findet man nahe schmelzender Schneeflecken. Die meiste Arten sterben im Frühjahr ab und können erst im Herbst als Adulttiere gefunden werden.

Die besten Jagderfolge erzielt man am frühen Morgen oder späten Abend bei nebeligem Wetter oder Nieselregen und Temperaturen unter 10°C. An warmen Tagen, bei Föhn und in den Mittagsstunden verziehen sich die Tiere in tiefe Spaltensysteme. Chordeumatida sind an anstehendes Gestein gebunden (= petrophile Tiere), im Flachland fehlen sie zumeist.

Von Atractosoma meridionale sind in den letzten Jahren einige Einzelfunde, alle aus den Allgäuer Alpen, bekannt geworden. In dem von Otto Schubart verfassten Grundlagenwerk über die deutsche Tausendfüßerfauna wird jedoch nur ein Fundort genannt: das Immenstädter Horn (westlich Sonthofen). Dieser klassische Fundplatz wurde diesen Herbst beprobt und es gelang am 1.10.2010 nicht nur zum vierten Mal Atractosoma meridionale nachzuweisen, sondern es wurde auch mit 7 Tieren die größte bisher aus Deutschland bekannt gewordene Serie gesammelt. Es handelte sich bei allen Tieren um Weibchen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn A. meridionale ist eine im Spätsommer (je nach Höhenstufe August bis September) reife Art, welche im Spätherbst schon nicht mehr aufgefunden werden kann. Vor allem die Männchen sind relativ kurzlebig.